Geschichte

Seit ihren Anfängen in den frühen 50er Jahren ging es bei den Baden-Badener Unternehmer Gesprächen darum, zukünftige Spitzenkräfte  der deutschen Wirtschaft umfassend  auf ihre herausgehobene und übergreifende Verantwortung im Unter­nehmen und in der noch jungen Demokratie der Bundesrepublik vorzubereiten.

Wolfgang Schäuble 130. BBUG

Nach Diktatur, Krieg, Vernichtung und Vertreibung galt es zudem, den „quantitativen und qualitativen Mangelerscheinungen beim Nachwuchs für leitende Positionen in der Industrie … dauerhaft entgegen zu wirken“, wie es in dem an die deutsche Industrie gerichteten Aufruf zur Gründung einer Gesellschaft zur Förderung des Unternehmernachwuchses, dem Trägerverein der BBUG, hieß. Denn, so hieß es weiter, "die immer stärkerwerdende Dynamik unserer technischen, wirtschaftlichen und gesellschaft­lichen Entwicklung stellt gerade an diese Kräfte nicht geringere, sondern immer größere Anforde­rungen in Bezug auf Charakter, Wissen, Bildung und Haltung. Von der Qualität der Spitzenkräfte der deutschen Wirtschaft wird jedoch das wirtschaftliche Schicksal jedes einzelnen Unternehmens, der Volks­wirtschaft und nicht zuletzt die wirtschaftspolitische Konzeption der Zukunft abhängen."

Olaf Scholz 132. BBUG

Damals war auch die marktwirtschaftliche Wettbewerbsordnung noch nicht nachhaltig akzeptiert und ordnungspolitisch gefestigt. Zwar hatte die Regierung, allen voran Ludwig Erhard, die Soziale Marktwirtschaft etabliert. Auf dem ordnungspolitischen Gerüst der Freiburger Schule aufbauend bekam die freie Marktwirtschaft eine zunehmend wettbewerbsfördernde und sozialpolitische Prägung. Aber vom Erfolg dieses Wirtschaftsmodells waren damals längst nicht alle Deutschen überzeugt. Darum war damals die Unterstützung des neuen Weges durch jene, die Verantwortung trugen, besonders wichtig. Dazu gehörten auch die Gründer und maßgeblichen Repräsentanten der BBUG wie Wilfried Guth oder Wolf-Dietrich von Witzleben

Die 30 Gründungsunternehmen sowie die an der Gründung wesentlich beteiligten Verbände BDI, DIHT und BDA waren sich darüber einig, dass die BBUG „zwar in engster Verbindung mit dem BDI stehen muss, aber nicht Glied des BDI sein darf. Der BDI ist eine gemein­same Interessen­vertretung  der deutschen Industrie, während die sich mit dem unternehmerischen Nachwuchs befassende Institution einen eindeutig gemeinnützigen Charakter tragen muss.

Inhaltlich hat man sich bei der Gründung dieses ersten deutschen, wie man heute sagen würde:  Executive-Education-Programms von vornherein an den besten Vorbildern amerikanischer und britischer Business Schools orientiert. Zugleich aber wollte man sich in einem Punkt wesentlich von diesen unter­scheiden: Statt akademischer Vorträge hauptamtlicher Lehrkräfte und der Behandlung von Case-Studies sollte das persönliche Gespräch im Mittelpunkt stehen, der Dialog mit herausragenden Praktikern aus Unternehmensleitungen, Politik, Wissenschaft und Kultur.

Vorrangige Ziele waren von Anfang an die Entwicklung der Persönlichkeit und die  Vermittlung von praktischem Wissen, das verankert sein sollte in persönlicher Erfahrung  und eingebunden in den weiteren Kontext unter­nehmerischen Handelns in der Gesellschaft. Die „Beeinflussung der Wirtschaftlichkeit von der Technik her“  oder die „Beeinflussung des Marktes (Marktauswei­tung)“ waren dabei genauso Themen der  ersten BBUG-Programme  wie  „Die mitmenschliche Aufgabe des Unternehmers“ und „Der Unternehmer in der Kultur der Gegenwart“.

Statt akademischer Vorträge hauptamtlicher Lehrkräfte stand von Anbeginn das persönliche Gespräch im Mittelpunkt

Seit den 50er Jahren wurden über 130 sogenannte Hauptgespräche in Baden-Baden und unzählige Fort­setzungs­gespräche in europäischen Hauptstädten durchgeführt. Mit mehr als 120 Mitglieds­unternehmen und über 3000 Absolventen sind die BBUG heute die wohl renommierteste und bedeutendste Alumni-Organisation der deutschen Wirtschaft. 

Viele namhafte Unternehmer­, nachhaltig prägende Vorstände und heraus­ragende Führungs­persönlich­keiten der deutschen Nach­kriegs­geschichte haben irgendwann in ihrer Karriere an den Unter­neh­mergesprächen teilgenommen. Viele Wendepunkte der jüngeren deutschen Geschichte und die Bewältigung vieler grundlegender Krisen und Herausforderungen wurden von Baden-Baden aus im Dialog begleitet.

Teilnehmer der Baden-Badener Unternehmergespräche 1962

Und nach wie vor gelten die BBUG  als die beste Möglich­keit, zukünftige  Spitzenkräfte der Wirtschaft für die – wie es schon 1955 hieß –  „immer größeren Anforderungen in Bezug auf Charakter, Wissen, Bildung und Haltung“ zu rüsten

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